Gedächtnis und Erinnerungen

Aus dem sehr empfehlenswerten Film „Das getäuschte Gedächtnis“ habe ich ein paar der spannendsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Sehenswert: https://www.youtube.com/watch?v=Wehi2IR2Uzc

Das Gedächtnis ist ein Wunderwerk. Aber es ist kein perfekter Speicher. Erinnerungen sind wie Treibsand, oft gibt es widersprüchliche Erinnerungen an ein- und dasselbe Ereignis. Unsere Erinnerungen sind anfällig für Manipulationen, können sich durch äußere Einflüsse verändern oder komplett neu entstehen.

Jedes Mal wenn man eine Erinnerung erzählt, verändert sie sich. Man erinnert sich an die Erzählung der Erinnerung. Das ist wie „Stille Post“ mit sich selber spielen, so die Erinnerungsforscherin Julia Shaw. Wir vermischen das Gesehene mit dem Gedachten, Gehörten und Gelesenen. Die Psychologin Elisabeth Loftus zeigt in Experimenten, wie anfällig Erinnerungen für spätere Informationen sind. Besonders bei Gerichtsverhandlungen und dazugehörigen Zeugenbefragungen kann das einen entscheidenden Einfluss haben. Extrem heikel ist das bei Missbrauchsprozessen, wo das Thema Suggestion durchaus eine Rolle spielen kann.

Phantasie und Gedächtnis arbeiten zusammen. Aus Gedächtnisfragmenten wird eine Story konstruiert. Wenn die Idee eingepflanzt wird, dass etwas geschehen sein könnte, kommen immer mehr Details. Julia Shaw hat Probanden sogar falsche Erinnerungen eingepflanzt und dabei eine Erfolgsquote von 70 % erreicht. Bei entsprechender Befragung und Suggestion haben die Teilnehmer der Studie detailreiche Erinnerungen an Ereignisse produziert, die es nicht gegeben hat. Es ist aus ihrer Sicht auch ganz einfach, Menschen dazu zu bringen, falsche Geständnisse zu machen. Irgendwann glaubt man selber daran, etwas verbrochen zu haben.

Ebenso kann es ja auch möglich sein, angenehme Erinnerungen einzupflanzen. Elisabeth Loftus hat z.B. Probanden eine falsche Erinnerung an die Vorliebe für gesundes Essen eingepflanzt. Bei einem anschließenden Probeessen hat es funktioniert. So bewirkt die Gedächtnismanipulation auch etwas Gutes. Das funktioniert sogar, wenn man sich der Manipulation bewusst ist.

Unser Gedächtnis ist weich und formbar, hat Lücken. Und diese Lücken füllen sich manchmal mit Phantasieerlebnissen. Das hat durchaus einen Sinn, denn wir brauchen die falschen Erinnerungen, um sozial ein gemeinsames Verständnis von Situationen zu erreichen. Wir brauchen das Vergessen, um nicht ständig an Dinge zu denken, die uns belasten. Und wir können mit Hilfe der Phantasie neue Erinnerungen schaffen, die uns nützen und bei künftigen Erfahrungen unterstützen.

 


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